Aachen


Aachen
Aa|chen:
Stadt in Nordrhein-Westfalen.

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I
Aachen,
 
1) kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Köln, Nordrhein-Westfalen, 180 m über dem Meeresspiegel, 243 800 Einwohner; in einem landschaftlich reizvollen Talkessel an der Wurm, umgeben von Ausläufern des waldreichen Hohen Venns, das in den Aachener Stadtwald übergeht. Das Stadtgebiet grenzt an die Niederlande und an Belgien. Aachen hat mehrere Hochschulen: Rheinisch-Westfälische TH (eröffnet 1870 als Polytechnikum, Universitätsstatus 1880, seit 1965 philosophische und medizinische Fakultät), Fachhochschule Aachen, katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen (Abteilung Aachen), Hochschule für Musik Köln (Abteilung Aachen) sowie zahlreiche. Forschungsinstitute. Aachen ist Sitz eines katholischen Bischofs sowie Verwaltungssitz des Kreises Aachen. - Von der Stadt Aachen wird der Karlspreis verliehen.
 
 
Für die Entwicklung der Stadt waren von jeher die Thermalquellen bedeutend, die hier an den Verwerfungen am Rand der Niederrheinischen Bucht austreten. 30 alkalische, schwefelhaltige Kochsalzthermen (bis 74 ºC) werden gegen Rheuma, Gicht, Ischias und Hauterkrankungen angewendet. Aachen hat eine Spielbank und Kongresseinrichtungen; jährlich wird ein internationaler Reitturnier veranstaltet. Die gute Verkehrslage an einer alten W-O-Handelsstraße, im Dreiländereck, am Kreuzungspunkt wichtiger Bahnlinien und Fernstraßen (heute Autobahndreieck), sowie die Nähe von Steinkohlen- und Erzlagerstätten
 
begünstigten die Entwicklung einer vielseitigen Industrie. Traditionelle Zweige sind Nahrungs- und Genussmittel- (Marmeladen, Schokoladen, Aachener Printen) sowie die Textilindustrie (Tuche). Von größerer Bedeutung sind heute Elektrotechnik (Elektromotoren, Bildröhren, Glühlampen) und Maschinenbau. Ferner sind Gummi- (Autoreifen u. a.) und Glasindustrie sowie Stahl- und Leichtmetallbau wichtig. Durch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit den Nachbarräumen bildet der Aachener Raum mit Niederländisch-Limburg sowie den belgischen Provinzen Limburg und Lüttich eine Euregio.
 
 
Das beherrschende Bauwerk der Stadt ist der Aachener Dom (Münster). Seinen Kern bildet die Pfalzkapelle, ein achteckiger Zentralbau (Oktogon) mit sechzehneckigem Umgang und Obergeschoss nach dem Vorbild byzantinischer Palastkirchen (um 800 geweiht). Als Baumeister wird Odo von Metz genannt. Die Pfalzkapelle gilt als bedeutendstes Denkmal karolingischer Baukunst. Begräbnisstätte Karls des Großen und Kaiser Ottos III. Der so genannte Thron Karls des Großen befindet sich im Obergeschoss (Hochmünster). Seit 1200 bedeutender Wallfahrtsort. Im Osten spätgotische Chorhalle (1355-1414), im Westen karolingische Vorhalle (Westbau) und gotischer Turm (im 19. Jahrhundert erneuert). Kostbare Ausstattungsstücke, u. a. Bronzetüren und Gitter (um 800), Antependium des Hauptaltars als einzige in Deutschland aus ottonischer Zeit erhaltene Pala d'Oro (um 1000), ferner Ambo (vor 1014), Barbarossaleuchter (1165), Karlsschrein (1215), Marienschrein (1239). Die Aachener Domschatzkammer beherbergt einzigartige Exponate aus spätantiker, karolingischer, romanischer und gotischer Zeit. 1978 wurde der Aachener Dom als erstes deutsches Bauwerk von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.
 
Das Rathaus (1333-76) ist aus der ehemaligen Pfalz hervorgegangen (unter Verwendung karolingischer Bausubstanz); im Reichssaal Fresken von A. Rethel (1847-51), Glasfenster (1956) von E. Mataré. Seit 1739 prägte Baumeister J. J. Couven (* 1701, ✝ 1763) das Bild der Stadt (u. a. Altes Kurhaus, 1782-86). Der Elisenbrunnen von J. P. Cremer (1824-27) wurde von K. F. Schinkel überarbeitet. Bedeutende Museen: Couven-Museum (Wohnkultur zwischen 1720 und 1840) im Haus Monheim (1780 von Couven erbaut) und im Haus »Zum Lindenbaum«; Suermondt-Ludwig-Museum (deutsche und niederländische Malerei vom Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert, europäische Plastik des Mittelalters, Kunsthandwerk, Kunst des 20. Jahrhunderts), 1995 wieder eröffnet im »Haus Cassalette« (1892) und im Erweiterungsbau von Busmann & Haberer; Ludwig Forum für Internationale Kunst (1991 eröffnet) im Gebäude der ehemaligen Schirmfabrik Brauer (1928 im Bauhausstil von Josef Bachmann errichtet und 1990/91 von Fritz Eller zum Museum umgebaut); Internationales Zeitungsmuseum im »Großen Haus von Aachen«; Museum Burg Frankenberg (Antike, Stadtgeschichte). Die barocke Kuppelkirche der ehemaligen Zisterzienserinnenabtei (997 gegründet) mit reichem Kirchenschatz im Stadtteil Burtscheid wurde 1736-54 von Couven erbaut.
 
 
Die in vorgeschichtlicher Zeit schon genutzten Quellen wurden von den Römern ausgebaut (Aquae Grạnni, nach dem keltischen Heilgott Grannus). Unter Karl dem Großen wurde Aachen Mittelpunkt des Fränkischen Reichs. Die Pfalz ist 769 bezeugt, die Pfalzkapelle war 936-1531 Krönungsort der Römischen (»deutschen«) Könige. Von Kaiser Friedrich I. Barbarossa mit großzügigen Privilegien ausgestattet, entwickelte sich Aachen zur Reichsstadt; das ausgedehnte Hinterland (Aachener Reich) wurde ihr 1336 bestätigt. Das Gericht war Oberhof für das Gebiet zwischen Maas und Rhein. 1581 siegte, begünstigt durch den Zuzug niederländischer Flüchtlinge, die Reformation, doch wurde die Stadt 1598, endgültig 1614 wieder katholisch. 1794 kam Aachen an Frankreich, 1798-1814 war es Hauptstadt des Roer-Départements, 1815 wurde es preußisch. - Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt durch zahlreiche Luftangriffe (besonders 1943 und 1944) zu zwei Dritteln zerstört. Das beim Vormarsch der Amerikaner von den deutschen Truppen als »Wiege des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation« wochenlang hartnäckig verteidigte Aachen musste am 21. 10. 1944 als erste größere deutsche Stadt übergeben werden.
 
 
 
G. Voppel: Die Aachener Bergbau- u. Industrielandschaft (1965);
 
A., hg. v. W. Dümmler u. M. Jeiter (21982);
 
Der Dom zu A., bearb. v. E. G. Grimme (1994);
 I. Monheim: A. Ein Stadtführer (61995).
 
 2) Kreis im Regierungsbezirk Köln, Nordrhein-Westfalen, 546 km2, 305 600 Einwohner, Verwaltungssitz ist die (kreisfreie) Stadt Aachen. Der Südteil des Kreises gehört zum Hohen Venn und zur Rureifel; Monschauer Land und Rurseengebiet dienen als Erholungsgebiet und Wasserreservoir. Nördlich schließt sich die Vennfußfläche und das Aachener Hügelland mit dichter Besiedlung und Industrialisierung an (Aachen, Stolberg, Eschweiler). Auch im Nordteil des Kreises, der zur Jülicher Börde gehört, haben Siedlungen, Industrie und der frühere Bergbau (Alsdorf) die Landwirtschaft stark zurückgedrängt. Größere Teile seiner Westgrenze sind gleichzeitig Landesgrenze gegen Belgien und die Niederlande.
 
 
 3) Das Bistum Aachen wurde 1801 für das französische Roer-Département als Suffraganbistum von Mecheln gebildet und umfasste das linksrheinische Gebiet der Erzdiözese Köln sowie weitere linksrheinische Gebiete. 1821 aufgehoben, wurde es 1930 als Suffraganbistum von Köln neu errichtet; es umfasst ein Gebiet von 3 937 km2: den ehemaligen Regierungsbezirken Aachen und Teile des Regierungsbezirks Düsseldorf. Bischof ist seit Dezember 1994 Heinrich Mussinghof (* 1940). (katholische Kirche, Übersicht)
 
II
Aachen,
 
Achen, Hans von, Maler, * Köln 1552, ✝ Prag 4. 3. 1615; arbeitete nach Studien in Florenz und Rom (1574-88), seit 1590 für den Hof in München (bis 1596) und für Kaiser Rudolf II. (seit 1601 an dessen Hof in Prag als »Kammermaler«). Seine religiösen, mythologischen und allegorischen Szenen im Stil des Manierismus sind in Bewegung und Beleuchtung auf Effekte abgestimmt. Wie seine Porträts wurden sie von den besten Stechern seiner Zeit verbreitet.
 

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Aa|chen: Stadt in Nordrhein-Westfalen.

Universal-Lexikon. 2012.

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